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11.03.2008  Rheinische Post
Vom Flugplatz zum Gewerbegebiet

Früher starteten die Maschinen der Luft-Hansa von dem Flugplatz in Bockum-Nord. Nach dem Krieg wollten die britischen Besatzer aus dem Gelände einen Golfplatz machen. Ende der 60er Jahre wurde es zu einem der ersten Gewerbegebiete der Region. Was wird heute dort produziert?
VON MARTIN RÖSE

Edward D. Summers legt keinen Wert auf Werbung. „Unsere Kunden finden uns.“ Die Kundendatei ist „top secret“ - streng geheim. Summers ist Geschäftsführer der Osro GmbH an der Saalestraße im Gewerbegebiet Bockum-Nord. Dort, wo früher die Silberbüchsen der Luft-Hansa in Richtung Berlin abhoben, steht jetzt Summers Büro. Und auf seinem Schreibtisch liegt eine Triebwerksschaufel. Das kalte Metall ist so glatt, dass es als Spiegel taugt - dank „Isotropic Superfinishing“. „Wir können es bis auf wenige Millionstel eines Millimeters glatt bekommen“, sagt der 59-Jährige. Die Triebwerksschaufel wird so reibungsärmer. „Das spart rund 0,2 Prozent Treibstoff. Rechnen Sie das mal auf 20 Betriebsjahre hoch.“ Doch nicht nur in der Luftfahrt sind die Fähigkeiten des Krefelder Betriebs gefragt, auch in der Formel 1. „Dank unserer Technik hat der Rennwagen statt 800 PS dann 804“, erklärt Summers.

Schräg gegenüber sitzt die Firma von Detlev G.Moritz: Gemo - steht für „Gebrüder Moritz“. „In rund 40Prozent aller europäischen Autos sind unsere Produkte zu finden“, erklärt der Geschäftsführer. Mit dem Tempolimit fing es in den 20er Jahren an. Autos brauchten Tachos. Tachos brauchten biegsame Wellen. Die wurden seinerzeit von Hand gefertigt und waren entsprechend rar. Detlev Moritz’ Großvater hatte eine Idee: eine Maschine, die solche biegsamen Wellen von mehreren hundert Metern Länge herstellen kann. Wenn jetzt in Autos auf Knopfdruck Sitze verstellt, Schiebedächer geöffnet und Lenksäulen versetzt werden, stehen die Chancen gut, dass von Gemo entwickelte und hergestellte biegsame Wellen und Betätigungszüge dafür sorgen. Nicht nur Volvo und Mercedes setzen auf die Technik aus Krefeld - auch Bentley gehört zu den Kunden. Gemo war 1969 eine der ersten Firmen im Gewerbegebiet Bockum-Nord. Während der Berlin-Blockade zog es die Firmengründer westwärts. „Die grüne Stadt Krefeld gefiel meinen Großeltern gut“, sagt Moritz. Auch die Nähe zum Flughafen Düsseldorf sei wichtig gewesen.

Die schätzt Dr. Karl-Hubert Zons noch heute. Er ist Geschäftsführer der ZSK Stickmaschinen GmbH an der Magdeburger Straße. ZSK ist die Abkürzung von „Zangs Stickmaschinen Krefeld“. Als der Maschinenhersteller Zangs vor Jahren Insolvenz anmelden musste, überlebte nur die Stickmaschinensparte. Die in Bockum hergestellten Maschinen können zum Beispiel einen indischen Sari computergesteuert mit Pailletten besticken oder eine rheinische Narrenkappe mit glänzender Kordel versehen. „Unsere größte Maschine hat 56 Köpfe“, sagt Zons und zeigt auf ein Ungetüm, das länger als zehn Meter ist. ZSK exportiert in alle Welt. Asien, Russland, Amerika. Neben klassischen Textilien entwickelt ZSK ein zweites Standbein mit Maschinen für Auto- und Flugzeugbau. Leitungen für Sitzheizungen im Auto können auf ZSK-Maschinen gestickt werden - und in einer Typenreihe eines großen Flugzeugherstellers wurden die Fensterrahmungen gestickt - auf einer ZSK-Maschine aus Krefeld.

Fast scheint es, als lebe ein wenig von der Flugplatz-Tradition in dem Gewerbegebiet fort. Die Firma Siegling GmbH beispielsweise, die unter anderem Transportbandsysteme für Flughäfen herstellt, unterhält ebenfalls ein Büro an der Emil-Schäfer-Straße.


Doch nicht nur technische Einrichtungen können in Bockum-Nord gekauft werden. Während Otto-Normalverbraucher seine Wohnungseinrichtung im Poco-Einrichtungsmarkt kauft oder, etwas besser betucht, bei Leolux an der Elbestraße auf Designjagd geht, ist bei Gisbert Rentmeister an der Emil-Schäfer-Straße 79 mancher König Kunde. Seit 1984 webt er die exklusiven Stoffe. Zum Kundenkreis zählen unter anderem Charles und Camilla.

 
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